Tragende Säule

Ein klares Bekenntnis zum Mittelstand kam jetzt von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. „Der Mittelstand ist die tragende Säule unserer Volkswirtschaft", sagte der Politiker. Und weiter: „Der Mittelstand ist nicht nur eine Frage der Definition, sondern des Lebensgefühls.“ Als Minister sei es sein Ziel, am Ende seiner Amtsperiode, also schon in vier Jahren, mehr selbstständige Mittelständler zu haben als bisher.

Bravo! Das ist ein löbliches, aber auch hochgestecktes Ziel, das der Bundeswirtschaftsminister verfolgt. Da reicht Ausdauer allein nicht aus. Um mehr Chefs im Handwerk zu bekommen, braucht es zunächst ein starkes Fundament. Das allerdings hat Risse, denn dem Wirtschaftszweig fehlen qualifizierte Handwerker. „Ohne gute und qualifizierte Mitarbeiter geht es nicht“, betont Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer immer wieder.

Glücklicherweise sind es wieder mehr Jugendliche, die eine Ausbildung im Handwerk beginnen. Das belegen die Zahlen des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und auch die Zahlen unserer jüngsten Konjunkturumfrage. Erstmals seit Jahren des Rückgangs verzeichnet die Handwerkskammer ein kleines Plus bei den neuen Lehrverträgen.

Jedoch sind längst noch nicht alle Ausbildungsstellen besetzt. 2017 blieben bundesweit rund 15.000 Ausbildungsplätze und damit jede zehnte Lehrstelle im Handwerk unbesetzt. Ein Blick in unsere Stellenbörse reicht: Auch hier sind viele freie Stellen für Fachkräfte ausgeschrieben.

Den Nachwuchssorgen wird mit großem Einsatz entgegengetreten. Seitens der Handwerksorganisation auf allen Kanälen und ebenfalls seitens der Betriebe. Das ist auch sehr wichtig, denn der Wettbewerb um Fachkräfte hat sich weiter verschärft. Leider schlafen noch einige, aber die meisten sind doch mittlerweile wach. Die Betriebe gehen in die Schulen und auf Ausbildungsmessen, machen sich in ihrem Umfeld bekannt, klappern für ihr Handwerk.

Außerdem suchen über 2.000 Chefs im Kammerbezirk in den nächsten Jahren eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. Gerade für Übernehmer sind das gute Zukunfts- und Karriereaussichten. Darüber müssen wir alle noch viel mehr sprechen und damit werben. Denn in der Vergangenheit hat die Politik viel zu sehr für Abitur und Studium geworben. Gut, dass sich der Wind gedreht hat und Politiker wie Altmaier oder Nahles und allen voran Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sich für die berufliche Ausbildung, fürs Handwerk, aussprechen. 

Umso schöner ist es, dass sich der Anteil an Abiturienten, die sich fürs Handwerk entscheiden, in den vergangen Jahren verdoppelt hat. Die Quote derer, die das Reifezeugnis abgelegt hat, beträgt im Kammerbezirk sogar 14 Prozent. Aber nicht nur sie sind angehende Führungskräfte im Handwerk. Das von Minister Altmaier angesprochene „Lebensgefühl“ spiegelt sich nicht zuletzt in der Durchlässigkeit wider, die das Handwerk ausmacht. Wer sich für einen der 130 Ausbildungsberufe entscheidet, kann sich später über die Meisterqualifikation bis hin zum Betriebsinhaber weiterqualifizieren.

Das Handwerk hat viel Ausdauer gezeigt und wird es auch weiterhin tun. Jetzt ist aber auch die Regierung gefragt. Sie muss für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen, damit in den nächsten Jahren tatsächlich mehr selbstständige Mittelständler die Säule unserer Volkswirtschaft tragen.