Handwerker am Bau sind so was wie Spitzensportler. Deshalb müssen sie auf Ernährung und Erholung achten, um leistungsfähig zu bleiben.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: HWK-Archiv

Arbeit und Erholung

Fliesentag Nordrhein lieferte wichtigen Appell und gab rechtliche Tipps

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Düsseldorf. Nur wer seinem Körper immer wieder Erholung ermöglicht, kann von ihm eine hohe Leistungsfähigkeit abfordern. Diesen Appell für einen sorgsamen Umgang mit sich selbst und mit den Mitarbeitern richtete der Kölner Sportwissenschaftler Ingo Froböse an die Teilnehmer des Fliesentags Nordrhein. Zuvor hatte der Jurist Günther Jansen für eine außergerichtliche Streitbeilegung geworben und Eckpunkte des neuen Bauvertragsrechts erläutert. Berufsfachliche Themen hatten die Fliesenlegermeister und Sachverständigen Thorsten Lupp und Markus Ramrath übernommen.

Der Fachverband Fliesen und Naturstein im Baugewerbe-Verband Nordrhein machte mit dieser Fortbildungsveranstaltung das Dutzend voll. Der Vorsitzende des Fachverbands, Georg Bösl (Alsdorf), konnte sich über einen ungebremsten Zuspruch freuen – „und das, wo doch derzeit so viel zu tun ist am Bau und die Auftraggeber drängen“.

Wenn es zu Konflikten mit diesen Auftraggebern kommt, sollten die Unternehmer Gerichtsverfahren tunlichst vermeiden. „Zu teuer, zu langwierig, zu wenig Sachverstand bei den Richtern“, lautete das klare Urteil von Günther Jansen, der selber viele Jahre Richter am Oberlandesgericht war. Als „deutlich bessere Alternative“ bezeichnete er eine Schlichtung etwa bei der Handwerkskammer, bei der immer ein sachkundiger Dritter einbezogen werde. Der Fachverband selber bietet einen Schlichtungsservice durch eigene Sachverständige an.

Rechtliche Tücken
Das seit Januar geltende Bauvertragsrecht setze sich aus einer Vielzahl von Einzelregelungen in unterschiedlichen Rechtsgebieten zusammen, so Jansen. Von zentraler Bedeutung für Bauunternehmen sei, dass die Hersteller von mangelhaften Produkten jetzt auch die Ein- und Ausbaukosten bei Reklamationen bezahlen müssen. Als „verunglückt“ charakterisierte der Jurist dagegen die „fiktive Abnahme“, die schon durch Nennung irgendeines Mangels gestoppt werden könne. Ein solcher Mangel kann entstehen, wenn ein Fliesen- und Plattenleger nicht ausreichend berücksichtigt, auf welchem Untergrund er vor allem großformatige Fliesen und Platten verlegt. Insbesondere Calciumsulfatestrich habe seine Tücken, warnte Thorsten Lupp. Daher sollten die Estrichleger unbedingt danach befragt werden, welches Produkt sie genau verwendet haben, ob es ausreichend trocken ist und wie es vorbehandelt wurde.

Am vergleichsweise günstigsten sei thermischer Anhydrit. Am Bau zu arbeiten sei durchaus mit Spitzensport zu vergleichen, behauptete Ingo Froböse. Chefs müsse demnach ähnlich wie Trainern daran gelegen sein, dass sie selber und ihre Mitarbeiter langfristig fit und leistungsfähig bleiben.

Und so wie „Sportler erst durch Pausen richtig gut werden“, sollten auch die „Leute vom Bau“ intensiv auf ihre Regeneration achten. Nur so könnten sie ihre körperlichen und psychischen Belastungen ausgleichen und wieder zu Kräften kommen. Zur Erholung gehören laut Froböse ausreichender Schlaf, eine nährstoff-, kohlenhydrat- und eiweißreiche Ernährung, viel Flüssigkeit möglichst schon am Vormittag und ein moderates, ruhiges „Auslaufen“ nach dem Arbeitstag etwa in Form eines Ausdauertrainings. Erholung sei also „ein aktiver Prozess, um die Leistungsfähigkeit wiederherzustellen“. Markus Ramrath berichtete seinen Branchenkollegen über Themen und Diskussionen im Technischen Ausschuss auf Bundesebene.

Info: Die Baugewerblichen Verbände vertreten als Dachorganisation von sechs Landesinnungsverbänden aus dem Bau- und Ausbaugewerbe die Interessen von etwa 5.000 mittelständischen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen und etwa 55.000 Mitarbeitern gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Sie bieten zudem als Dienstleister umfassenden Service und Beratung für die Betriebe. In den ehrenamtlichen Gremien der sechs Verbände engagieren sich gewählte Vertreter der Unternehmer.