Zwischen den Vorträgen konnten sich die Teilnehmer an den Ständen der Aussteller informieren.
Foto: Monika Dieckmann

„Digitalisierung auf der Baustelle steckt im Mittelalter“

Fachverband Tischler NRW empfängt 230 Teilnehmer bei der Fensterfachtagung

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Lünen. Digitale Lösungen können auch Fensterbauer entlasten und sie dabei unterstützen, ihre betrieblichen Abläufe effizienter zu gestalten. Auf der Fensterfachtagung in Lünen, zu der 230 Teilnehmer gekommen waren, wurden digitale Lösungen aus der Praxis für die Praxis vorgestellt.

Dittmar Siebert von Siebert Engineering verfolgt intensiv die Entwicklung des „Handwerk 4.0“. Entscheidend für den erfolgreichen Einsatz digitaler Werkzeuge sei die Weiterbildung der Mitarbeiter: „Die Software funktioniert so gut wie der Mitarbeiter, der sie bedient.“ Spezialisierte Mitarbeiter sollten unbedingt fit sein in CAD und Excel, die laut Siebert Schlüsselpositionen einnehmen. Für die Baustelle und die Montage hat er eine Aufmaß-App entwickelt, die inzwischen in WinWorker integriert worden ist. Mit diesem „elektronischen Notizbuch“ könne der Workflow durch die Vernetzung der Baustelle mit dem Büro optimiert werden. „Im Vergleich zu den Werkstätten stecken wir bei der Digitalisierung auf der Baustelle noch im Mittelalter“, so Dittmar Siebert.

Schon seit eineinhalb Jahren ist bei der Aachener Schreinerei Brammertz die „digitale Baustellenakte“ erfolgreich im Einsatz, die sich vor allem der Juniorchef Max Brammertz nach und nach selbst erarbeitet hat. Die Office-basierte Lösung OneNote, die auch bei den Mitarbeitern gut ankomme, versammelt vom Aufmaß bis zur Abnahme papierlos alle Geschäftsprozesse: „Eine Software muss anwenderfreundlich sein“, so Max Brammertz. Auch handschriftliche Notizen und Zeichnungen können damit direkt am Monitor erstellt werden. Besonders gerne kombiniert der Juniorchef Fotos mit eigenen Beschriftungen: „Das ist besonders wichtig für die Monteure.“

Markus Damwerth berichtete bei der Tagung aus der Arbeit der Fachgruppe Fensterbau und Fassade, deren Vorsitzender er ist. Zuständig auf der Verbandsseite ist Franz-Josef Wiegers, der erläuterte, was es bei der Verschärfung der Schallschutznormen und beim Gebäudeenergiegesetz zu beachten gilt: „Genaue Vereinbarungen und Absprachen schützen vor Missverständnissen, falschen Erwartungen und Probleme mit dem Kunden“, so der technische Berater des Fachverbandes. Welche Vorteile, aber auch welche Probleme die neue Baurechtsreform für Fensterbauer mit sich bringt, fasste Heinz-Josef Kemmerling, Justiziar des Fachverbandes, zusammen.

Mit Gelbverfärbungen an PVC-Fensterrahmen hat der Sachverständige Jürgen Sieber seit einigen Jahren immer häufiger in seinen Gutachten zu tun. Die wolkigen beziehungsweise punktuellen Verfärbungen gaben den Fachleuten zunächst Rätsel auf, doch inzwischen sind die Ursachen bekannt: Punktuelle Gelbverfärbungen außen am Rahmen werden durch eisenhaltigen Rasendünger verursacht. Wird er nicht regelmäßig entfernt, kann die Oxidation zu sichtbaren Flecken führen. Noch auffälliger sind die wolkenartigen Gelbverfärbungen innen an den Rahmen, die sich durch Putzen noch verschlimmern können. Sie werden durch terpen- oder ammoniakhaltige Putzmittel (Zitronen- oder Orangenreiniger) verursacht, deren Inhaltsstoffe bei falscher Dosierung zu diesen Verfärbungen führen können. Sie müssen durch Abschleifen beseitigt werden.

Zur Reinigung von PVC sollte auch kein Spülmittel, sondern ein neutraler Reiniger verwendet werden. Auch Reiniger, die Alkohol und Ammoniak enthalten, haben nichts auf dem PVC zu suchen. Sie können zu Unregelmäßigkeiten an der Oberfläche führen. Jürgen Sieber stellte außerdem einen Fall vor, in dem ein Mieter in einem Mehrfamilienhaus über Zugerscheinungen geklagt hatte. Bei den neu eingebauten Fenstern mussten daraufhin sämtliche Befestigungsmittel überprüft und zum Teil auch ausgetauscht werden, da einige nicht über die notwendigen Prüfzeugnisse verfügten. Das bedeutete einen erheblichen Zeit- und Kosten-Aufwand für den Fensterbauer – die Zugerscheinungen wurden damit jedoch nicht beseitigt.