Interessante Exkursion: Die Meisterklasse Bau aus dem BGZ Simmerath erlebte eine spannende Führung mit dem Dombaumeister des Aachener Münsters, Helmut Mainz.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Doris Kinkel

Ein Baugeschichtsbuch, das alle Sinne anspricht

Meisterschüler gehen auf eine spannende Zeitreise durch den Aachener Dom

BGZ Simmerath Aktionen

Aachen. Eine spannende Zeitreise von den Römern über die Karolinger bis hin zur Moderne durfte die Meisterklasse Bau jüngst unternehmen. Das Lehrbuch: der Aachener Dom. Bei einer Führung mit Dombaumeister Helmut Maintz erfuhren die Männer viel über die Baugeschichte und Denkmalpflege.
Das einzigartige Bauwerk konnten die Handwerker mit allen Sinnen erleben. Der Aachener Dom ist zwölf Jahrhunderte gebaute Weltgeschichte. 1978 zeichnete die Unesco ihn als erstes Bauwerk in Deutschland überhaupt als Weltkulturerbe aus. „In Köln geschah das erst 18 Jahre später. Wir können uns sicherlich mehrfach im Kölner Dom verstecken, brauchen uns aber nicht davor verstecken. Es macht eben nicht immer die Masse, sondern die Klasse“, konnte sich Maintz bei seinen Ausführungen einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen.

Vollgepackt mit Wissen und Anekdoten, führte Maintz die Stuckateure, Dachdecker, Zimmerer sowie Maurer und Betonbauer durch den Dom und informierte über viele Besonderheiten des Gotteshauses, das durch mehrere Stilepochen beeinflusst ist. Über schöne und flache Stufen, – „die natürlich keiner DIN-Norm entsprechen“, so Maintz – ging es im Westwerk den Treppenturm hoch. Für den Transport des Baumaterials seien damals Lastesel eingesetzt worden, für sie war es natürlich optimal, voll beladen die flachen Stufen hoch- und auf der anderen Seite des Turmes wieder abzusteigen. „Der karolingische Bau ist in höchstens 15 Jahren hochgezogen worden. Für damalige Verhältnisse war das eine sehr sportliche Leistung“, zollte der Dombaumeister den damaligen Handwerkern und Baumeistern Respekt. Nicht schlecht staunten die angehenden Meister von heute über Mauerwerke, die bis zu 2,70 Meter dick sind.

Unheimliche Wasserspeier
Helmut Maintz erzählte der wissbegierigen Gruppe, wie beim Bau zum Beispiel Kalkmörtel mit gewässerten Ziegelsteinstücken aus römischen Ruinen eingesetzt worden waren. Das, was einst die Römer schon gemacht hatten, wurde in größeren Dimensionen mit sehr großen Aufwand auch in Aachen verbaut. Weitere Erkenntnis: Im Aachener Dom ist der gleiche Mörtel wie in der weltberühmten Hagia Sophia in Istanbul.

An unheimlich anmutenden Wasserspeihern – im Westwerk hängen Gipskopien zwecks Dokumentation – vorbei ging es weiter hoch zu den acht Glocken des Gotteshauses. In der Galerie des Domturmes konnte die Gruppe auch die Feuerlöschanlage der Marienkirche bestaunen. Sie geht auf das Jahr 1929 zurück und ist eine der ältesten Anlagen in einer deutschen Kirche. Und auch die antiquarische Kübelspritze ist noch im Einsatz, allerdings nicht, um Feuer klassisch zu löschen. Wenn Dachdecker an den Bleitraufen arbeiten und schweißen müssen, kokelt es schnell. So haben sie direkt die Kübelspritze an der Hand.

In der Turmkapelle erklärte der Dombaumeister den Meisterschülern, dass die Denkmalpflege in den 60er Jahren anders betrieben wurde als heutzutage. „Seinerzeit ist viel neu gemacht worden, heute geht es um die Erhaltung der Substanz“, so Maintz.

Im Mauerwerk sind Eisenringanker eingelassen, die die Kuppel an ihrer Basis zusammenhalten. Die 1.200 Jahre alte Konstruktion ist für die statische Sicherheit des gesamten Oktogons verantwortlich, etliche Tonnen lasten auf diesem komplexen Ankersystem, das zum Überleben des Bauwerks notwendig ist. „Es gab also damals schon einen Technologietransfer von Oberitalien, wo die Spezialisten für Eisen saßen, nach Aachen“, erklärte Maintz. Nach so vielen Jahrhunderten halten die Eisen noch, „was man heute von vielen Straßen und Brücken nicht sagen kann“.

Nicht nur statisch spannend
Begeistert von der Domführung zeigte sich André Büth. Vor allem die Dachstuhlsanierung interessierte den angehenden Zimmerermeister. „Dafür sind extra angefertigte Metallverbinder angebracht worden. Ich finde das hier auch statisch sehr interessant und wie versucht wird, die alten Hölzer zu erhalten.“

Patrick Mastira ist bald, wenn er die Meisterschule erfolgreich beendet, Maurer- und Stahlbetonbaumeister. Ihn überzeugte vor allem die damals schon statisch so exakte Positionierung der Ringanker, während sich der angehende Dachdeckermeister Benjamin Vogelmann die Schieferarbeiten genau anschaute. Und was sagt der künftige Stuckateurmeister? „Für mich sind natürlich die verschiedenen Baustile, die sich über mehrere Jahre überschneiden, am spannendsten. Interessant ist für mich aber auch, wie der Denkmalschutz heute gesehen wird“, sagte Arkadiusz Solak.

Im Vorfeld waren die Ausbildungsmeister Jörg Berbuir, Michael Strauß und Dozent Henning Sybertz mit „ihren“ Meisterschülern in Aachen unterwegs und hatten eine Stadtführung mit architektonischem Schwerpunkt unternommen.

Info: Im BGZ Simmerath, ein Bildungszentrum der Handwerkskammer Aachen, sind die Meisterschulen für die Bauhandwerke, das Dachdecker-, Tischler-, Maler- und Lackierer-, und Straßenbauerhandwerk angesiedelt.
Anmeldung und Beratung: Tel.: +49 241 9674-111, E-Mail:  weiterbildung(@)hwk-aachen.de.