Frauen packen für Frauen an: Die Partnerinnen bei der Ausrichtung des Praxistages im Handwerk.
(v.l.): Andrea Hilger (Agentur für Arbeit Aachen-Düren), Ann-Katrin Steibert (DGB-Region NRW Süd-West), Stefanie Horn (QualiTec GmbH der Handwerkskammer), Susanne Goldmann (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Stolberg) und Faten Bargouth (Jobcenter Eschweiler). © Foto: Handwerkskammer Aachen

Frauen gehen ihren Weg

Karriere im Handwerk: Vom Schnupperkurs bis zur Betriebswirtin

Pressemitteilung

Aachen. Else Schnakenberg sieht man ihren Spaß beim Schweißen deutlich an. Sie hat für diesen Tag die richtige Entscheidung getroffen und sich zum Schnupperkurs angemeldet. Beim Praxistag: Frauen im Handwerk darf sie im Bildungszentrum BGE Aachen der Handwerkskammer ihr Talent testen. Das Schweißen unter Anleitung von Ausbilder Wolfgang Schaffrath klappt auch schon ganz gut.

Den Praxistag veranstaltet die Kammer nach der erfolgreichen Premiere 2017 bereits zum zweiten Mal. In Kooperation mit dem Fachausschuss Frau und Arbeit im Frauennetzwerk Aachen hat sie Frauen eingeladen, sich in Metallbau, Elektronik, Anlagenmechanik, Malerhandwerk oder Schweißen auszuprobieren. Die Teilnehmerinnen fertigen ein Werkstück, das sie am Ende des Tages mitnehmen dürfen. Schnakenberg arbeitet gerade an einem Kerzenleuchter. Während der Arbeit werden die Frauen von Ausbildungsmeistern der Kammer sowie Mitarbeitern des Jobcenters und der Agentur für Arbeit begleitet. Sie beantworten Fragen zu Weiterbildung, Umschulung, Karrierechancen und anderen Themen.

Info: 22 Prozent aller Handwerksbetriebe in Deutschland werden von Frauen geführt. Das sind deutlich mehr als in der Gesamtwirtschaft (10 Prozent). 38,1 Prozent der Arbeitnehmer im Handwerk sind weiblich. Seit 2001 ist die Zahl der Frauen, die im Handwerk einen Meisterbrief erwerben, um 39 Prozent gewachsen. 

Gute Arbeit
Bei ihrem Besuch im Bildungszentrum BGE treffen die Teilnehmerinnen auch andere Frauen, die sich im Handwerk behaupten können und noch viel vorhaben. Sie sind Beispiele dafür, dass auch Frauen in einst typischen Männerberufen gute Arbeit leisten. Für den Wirtschaftszweig Handwerk, der sehr unter dem Fachkräftemangel leidet, sind Frauen eine sehr wichtige Zielgruppe.

Von ihrem Handwerk richtig gepackt ist auch die Kfz-Technikermeisterin Katharina Mertens. Sie erzählt den Teilnehmerinnen von ihrem Werdegang und ihrer Freude in ihrem Beruf. In der Aachener Autowerkstatt Unicar repariert sie mit viel Können und Fachwissen Autos und bietet dort am Mittwoch, 18. April auch einen Workshop „Autoreparatur-Werkstatt“ für Frauen an.

Einblicke ins Handwerk gewähren, Berufsperspektiven aufzeigen – das sind die vorrangigen Ziele des Praxistages, den Stefanie Horn, Sozialarbeiterin bei der QualiTec GmbH, einer Tochtergesellschaft der Handwerkskammer, mit ihrem Team organisiert hat. Die Teilnehmerinnen können mit Ruhe und ausreichend Zeit einen ganzen Tag lang in die unterschiedlichen Gewerke schnuppern. Bei der Vorbereitung konnten Horn und ihre Kollegen auf viele gute Erfahrungen zurückgreifen, die sie bereits bei der Ausrichtung des Girls‘ Day für Schülerinnen gesammelt haben.

Viele Chancen
Dass das Handwerk viele gute Chancen bietet, betont Andrea Hilger von der Agentur für Arbeit Aachen-Düren: „In vielen Berufen gibt es mittlerweile deutlich mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Unser Ziel ist es, diese bei Frauen bekannter zu machen, denn 75 Prozent aller Frauen wählen zunächst einmal einen von 25 Berufen aus über 350 Ausbildungsberufen.“ Faten Bargouth vom Jobcenter Eschweiler sagt, wie wichtig die Berufsorientierung für Frauen ist. Denn viele, die beim Jobcenter vorstellig werden, befinden sich in einer neuen Lebenssituation und suchen Unterstützung. Für sie ist es wichtig, Praktikumsangebote und Testmöglichkeiten zu erhalten.

Eine Trendwende hat Susanne Goldmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Stolberg, erkannt. Immer mehr Unternehmen würden sich für weibliche Bewerber öffnen und sie auch in typischen Männerberufen ausbilden. Türen öffnen und Interesse wecken, darum geht es der Handwerkskammer im Bildungszentrum BGE Aachen, wie dessen Leiter Theo Goertz erklärt. „In Projekten mit Schulen haben wir bereits festgestellt, wie sehr Mädchen und junge Frauen sich vom Handwerk anstecken lassen und Spaß haben an seinen Arbeiten.“

Meisterschule
Dass sie richtig anpacken will, hat Christina Denesiuk schon als Schülerin gemerkt. Nach dem Abitur war für sie klar, dass sie eine Ausbildung machen will: „Ich hatte schon immer Lust, richtig anzupacken und fühle mich auf Baustellen, wo ich mit Männern zusammenarbeite, richtig wohl.“

Natürlich kennt sie die Vorurteile und hat auch schon Sprüche gehört, wonach Frauen doch eher für die Versorgung der Kinder und den Haushalt zuständig seien. Denesiuk steht da drüber. Sie besucht derzeit die Elektrotechniker-Meisterschule in Vollzeit, im Juni stehen die Prüfungen an.

In ihrem bisherigen Berufsleben hat sie schon viele überzeugt. Ein Kompliment lautete zum Beispiel: „Das hätte ich von Dir gar nicht gedacht.“ Ihr Handwerk macht ihr Spaß, sei facettenreich und jeden Tag empfinde sie abends Freude über das, was sie am Tag geschafft hat.

Foto: Handwerkskammer Aachen

Auf dem Weg zum Meisterbrief: Christina Denesiuk besucht derzeit die Elektrotechniker-
Meisterschule in Vollzeit.
© Foto: Handwerkskammer Aachen

Nicht ohne Handwerk
Auch für Simone Cüpper, Malermeisterin und Ausbilderin bei der Handwerkskammer, ist ein Leben ohne Handwerk unvorstellbar. Sie liebt ihren Beruf und sucht jetzt auch neue Herausforderungen. So wird sie demnächst einen Lehrgang im Kunststoff-Ziehschweißen besuchen und sich in dieser Tätigkeit fit machen. Damit ergeben sich auch für sie wieder neue Perspektiven.

Und wer auf den Meistertitel noch eine Qualifikation draufsatteln möchte, belegt bei der Kammer den Kurs zum Betriebswirt (HWK). Da sitzt zurzeit Elena Neff, Maßschneidermeisterin. Sie will ihr Wissen vertiefen und sich eine hervorragende Grundlage für ihr weiteres Berufsleben schaffen. Ihr Traum ist es durchaus, später einmal selbstständig zu sein, einen eigenen Betrieb zu leiten. „Ich will einfach noch besser aufgestellt sein“, sagt sie. Auch sie ist ein tolles Beispiel dafür, dass Frauen im Handwerk Karriere machen können.

Foto: Handwerkskammer Aachen

Neue Herausforderung: Ausbildungsmeisterin Simone Cüpper möchte neben dem Malerhandwerk das Kunststoff-Ziehschweißen erlernen.
© Foto: Handwerkskammer Aachen