Digitalisierung praktisch angehen: Das fordert NRW-Wirtschaftsminister Professor Andreas Pinkwart.

„Künftig wird der Schnelle den Langsamen schlagen“

NRW-Minister Andreas Pinkwart spricht über Digitalisierung beim 23. Frühjahrstreffen des Heinsberger Handwerks – Erfolgreichen Nachwuchs geehrt

Digitalisierung

Erkelenz. Die beste Autowerkstatt online finden? Den Dachdecker per Twitter anheuern? Klimaanlage im Netz planen? Die Digitalisierung des Handwerks, Handwerk 4.0, läuft in Deutschland auf Hochtouren. „Handwerk 4.0“ war auch das Thema beim 23. Frühjahrstreffen des Heinsberger Handwerks in den Räumen der Kreissparkasse. Einen Vortrag zum Thema hielt Professor Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

„Immer mehr Technik bestimmt und beeinflusst unseren Alltag. Werden wir 2040 – ja, ich nicht – einen Job machen, den es heute noch gar nicht gibt“, fragte Kreishandwerksmeister Edwin Mönius schmunzelnd bei seiner Begrüßung. Und werde es den heutigen Job dann noch geben oder werde er schon ein Museumsstück sein. Bei vielen Menschen hinterlasse der Begriff der Digitalisierung derzeit mehr Fragezeichen als Antworten. „Aber es bleibt eigentlich keine Zeit zum Fürchten, weil wir alle bereits mittendrin stecken“, betonte Mönius, bevor der Landeswirtschaftsminister übernahm.

„Künftig wird nicht der Große den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen im Wettstreit schlagen“, ist sich Pinkwart sicher. Aber er habe keine Angst, „dass wir das nicht schaffen können“. Der Minister für Digitalisierung sieht riesige Chancen, aber ebenso riesige Herausforderungen, die Digitalisierung eröffne unglaublich viele Möglichkeiten. Er ermutigte die Handwerker aus dem Kreis Heinsberg, die Beratungsangebote des Landes zur Digitalisierung zu nutzen. Als Beispiel nannte Pinkwart den digitalHUB Aachen. „Befragen Sie auch die Handwerksorganisationen, gehen Sie selbst raus und informieren sich. Wir alle müssen die Digitalisierung praktisch angehen.“ So treffe die Digitalisierung das Handwerk nicht nur in Betrieben, sondern auch in der Selbstverwaltung, zum Beispiel in den Innungen. Ausbildungsinhalte würden sich immer schneller ändern, lebenslanges Lernen sei wichtig, Dank der Digitalisierung sei das einfacher. Dazu gehörten natürlich auch modernste Bildungszentren. Pinkwart: „Wir werden das Handwerk unterstützen!“

Zugleich forderte der Minister einen zügigeren Ausbau des Glasfasernetzes in NRW. Das Land hinke hinterher. Er werde bestrebt sein, Planungshürden abzubauen und das Land wieder für Investoren attraktiv zu machen. „Je schneller wir die Chancen nutzen, desto besser wird unsere Beschäftigungsbilanz sein“, so sein Fazit.

Wie sich die aktuelle Situation im Handwerk darstellt, diskutierte auf dem Podium Journalist Thorsten Pracht mit Thomas Giessing, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heinsberg, Minister Pinkwart, sowie den Handwerksunternehmern Max Esser von der Fleischerei Esser und Guido Randerath, Geschäftsführer des auf Schaltschrankbau spezialisierten Unternehmens Elteba. So sieht Esser das Handwerk definitiv nicht als Speerspitze der Digitalisierung, „Expertise im digitalen Bereich ist nicht das bessere Handwerkszeug“. Am wichtigsten sei nach wie vor die Qualität. Und je individueller die Fertigung, desto schwieriger werde deren Digitalisierung, machte Randerath anhand der Abläufe in seinem Unternehmen deutlich. Das Bestreben, alles in digitaler Form darzustellen, müsse zwangsläufig scheitern, wo individuelle Lösungen gefordert seien. Da könne die Digitalisierung zwar helfen, bleibe aber das Handwerk letztlich maßgeblich.

Für die musikalische Unterhaltung des Treffens sorgte das Querflöten-Trio der Kreismusikschule mit Anita Klein, Monika Lenzing und Esther Mann.

Wurden für ihre Leistungen im Handwerk geehrt: Heinsberger Gesellen mit ihren Ausbildern.

Info: Im Rahmen des Frühjahrstreffens des Heinsberger Handwerks wurden die 1. Kammersieger, Landes- und Bundessieger im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks geehrt. Erster auf allen Ebenen (Kammerbezirk, Land, Bund) ist Elektroniker Levin Stenner aus Geilenkirchen (g.f.e. Elektroservice GmbH, Geilenkirchen) geworden. Dritter Landessieger und Kammersieger ist der Land- und Baumaschinenmechatroniker Marco Jansen aus Selfkant (Meurer Landtechnik GmbH, Eschweiler). Kammersieger sind: Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, Fleischerei, Janina Wollweber aus Heinsberg (Karl-Heinz Esser, Erkelenz); Fliesen-, Platten- und Mosaikleger Steffen Moll aus Erkelenz (Reinhold Moll Fliesenfachgeschäft GmbH, Erkelenz); Mechatroniker Johannes Deckers aus Geilenkirchen (Verfahrenstechnik Derichs GmbH, Übach-Palenberg); Stuckateur Alexander Bürsgens aus Wassenberg (Arnold-Josef Bürsgens, Wassenberg).