Starthelfende nicht am Ziel und doch am Ende

Minister Laumann: Programm soll auslaufen und neuen Programmen weichen

Starthelfende Ausbildungsmanagement Auszubildende

Düsseldorf. Ausgerechnet im zehnten Jubiläumsjahr der Starthelfenden kündigte NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann in einem Pressegespräch Ende Januar an, das Programm nicht weiter fördern zu wollen. Gleichzeitig wies er auf neue Programme und Prioritätensetzungen hin, die Jugendlichen, die Schwierigkeiten beim Start ins Berufsleben haben, wesentlich wirksamer helfen sollen.

Aus Sicht der 14.000 Jugendlichen, die in den letzten zehn Jahren von den Starthelfenden in Ausbildung vermittelt wurden sowie der entsprechenden Betriebe, die durch deren Unterstützung einen passenden Auszubildenden fanden, ist dies schwer nachzuvollziehen. Alleine im Jahr 2017 fanden 1.650 Jugendliche mit Hilfe des Programms einen Ausbildungsplatz.

Wirft man einen Blick auf die Kosten, entsteht folgendes Bild: Für das neue Ausbildungsprogramm von Minister Laumann, mit dem 1.000 zusätzliche Ausbildungsplätze in 2018 sowie 1.000 weitere in 2019 geschaffen werden sollen, werden jeweils 33 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, das heißt 33.000 Euro pro Ausbildungsplatz. Geht man von einer dreijährigen Ausbildung aus, bedeutet dies, dass pro Jugendlichem 11.000 Euro je Ausbildungsjahr aus Steuergeldern aufgewendet werden. Im Vergleich belaufen sich die Kosten für die Vermittlung eines Jugendlichen in Ausbildung im Programm „Starthelfende“ auf einmalig etwa 1.200 Euro.

„Uns erschließt sich die Logik nicht: Die 27-fachen Steuerausgaben je Jugendlichem und unter dem Strich 650 Ausbildungsverträge weniger – effizient ist anders“, sagt Reiner Nolten, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertags.

Die Starthelfenden vermitteln jährlich 1.650 Jugendliche in Ausbildung und akquirieren rund 1200 zusätzliche Ausbildungsstellen (Zahlen aus 2017). Die Effizienz des Starthelfer-Programms ist nicht zu bestreiten. Im Oktober 2008 von Laumann selbst aus der Taufe gehoben, zielt es darauf ab, Jugendliche mit unterschiedlichen Vermittlungshemmnissen bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz zu unterstützen.

Das Programm basiert im Wesentlichen auf zwei Erfolgsfaktoren: dem großen Netzwerk, das im Laufe der letzten zehn Jahre kontinuierlich ausgebaut wurde und der Tatsache, dass die Starthelfenden bei den Kammern ansässig sind, „ihre“ Betriebe kennen und über deren freien Ausbildungsplätze immer auf dem Laufenden sind.

Am Programm „Starthelfende“ beteiligen sich die sieben Handwerkskammern in Nordrhein-Westfalen, 13 Industrie- und Handelskammern sowie der Bauindustrieverband NRW. Das Programm wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales gefördert.

Info: Fachkräftemangel, Nachwuchssorgen, Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt – seit mittlerweile zehn Jahren packen die Starthelfer dieses Problem an und kümmern sich intensiv um Jugendliche, die Schwierigkeiten haben, selbstständig einen Ausbildungsplatz zu finden. Auch im vergangenen Jahr erwies sich das Programm als effektiver Ansatz im Übergang Schule – Beruf: 1.650 junge Menschen wurden in Ausbildung vermittelt, 670 in ein Praktikum und 200 weitere in eine Einstiegsqualifizierung, die im Idealfall ebenfalls in einer dualen Ausbildung mündet. Damit wurden bislang mehr als 14.000 Jugendliche erfolgreich in Ausbildung gebracht.
Fast 8.000 Beratungsgespräche führten die Starthelfer allein im vergangenen Jahr. Gleichzeitig warben sie in Schulen, bei Elternabenden, auf Berufsmessen und vielen anderen Veranstaltungen für die duale Berufsausbildung. Ein vielfältiges Aufgabenspektrum, das landesweit geschätzt wird. Starthelferin der Handwerkskammer Aachen ist Bianca Mandt, Tel.: +49 241 471-175,  bianca.mandt(@)hwk-aachen.de.