Medientag: Optisch wussten natürlich die Maßschneider mit ihren Kreationen zu überzeugen.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Doris Kinkel

Zahlen, Daten, Fakten, kritische Töne

Beim Medientag des Handwerks berichteten die Bundesverbände über aktuelle Konjunkturzahlen

Bauwirtschaft

München. Auf der Internationalen Handwerksmesse in München erhielt die Presse beim Medientag Informationen aus den einzelnen Gewerken.

Bauwirtschaft
„Wir erwarten für die rund 385.000 Mitgliedsbetriebe der Bundesvereinigung Bauwirtschaft einen Umsatz von 324 Millionen Euro in diesem Jahr, das ist ein Plus von 2,6 Prozent nach rund 3 Prozent in 2017. Ohne einen weiteren Zuwachs an Beschäftigung werden wir dieses nicht leisten können. Wir rechnen daher mit rund 35.000 Beschäftigten, die wir in diesem Jahr zusätzlich einstellen werden.“ Dieses erklärte der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, Karl-Heinz Schneider, am Medientag der IHM.

Das Bauhauptgewerbe und der GaLa-Bau werden mit einem Umsatzwachstum von gut 3 Prozent auf 107 Milliarden Euro Schrittmacher dieser Entwicklung bleiben. Diese fällt etwas verhaltener als im Vorjahr aus, weil der Wohnungsbau keinen ganz so großen Sprung mehr machen dürfte. So zeigt sich im Ein- und Zweifamilienhausbau eine Stabilisierung der Nachfrage bei gut 100.000 Wohnungen. Allein im Mehrfamilienhausbau dürften mit rund 175.000 Wohnungen deutliche Wachstumsraten zu erzielen sein. Schneider forderte in diesem Zusammenhang eine zügige Umsetzung der Koalitionsvereinbarung, wie zum Beispiel zur Baulandbereitstellung, zur Wohneigentumsbildung und zur Förderung der energetischen Gebäudesanierung.

„Wir können aber nur bauen, wenn wir die Baustellen mit unseren Fahrzeugen auch erreichen. Wir appellieren daher dringend an die politisch Verantwortlichen, in Bezug auf das drohende Diesel-Fahrverbot bundesweit einheitliche Regelungen zu schaffen, damit Rechtssicherheit besteht“, so Schneiders. Darüber hinaus spricht sich die Bundesvereinigung Bauwirtschaft für einen eigenständigen Bauausschuss im Bundestag aus: „Denn sonst beschäftigen sich Innenpolitiker mit Baufragen. Und ob das zielführend ist, bleibt fraglich.“

Metallhandwerk
Zum Metallhandwerk gehören heute über 36.500 Metallbau- und Feinwerkmechanik-Betriebe, die rund 57 Milliarden Umsatz erzielen und rund eine halbe Million Menschen beschäftigen, darunter 29.000 Auszubildende. Die Lage im Deutschen Metallhandwerk könnte gemäß der Einschätzung der Unternehmer kaum besser sein und zeigt erste Anzeichen einer guten Auslastung für 2018. Der Auftragsbestand ist hoch, die Preise sind auskömmlich und die Unternehmen erwarten für das laufende Jahr noch einmal eine Verbesserung ihrer Lage.

Fachkräftebedarf: Bereits 2017 konnten die Unternehmen etwa jede dritte Stelle nicht besetzen und hätten 30 Prozent mehr Mitarbeiter beschäftigen können. Auffällig ist auch, dass die Unternehmen aus dem Bereich Feinwerkmechanik (Maschinen- und Werkzeugbau, Feinmechanik und andere), die bei der Aufwärtsentwicklung in den letzten Jahren immer etwas hinterhergehinkt hatten, deutlich aufgeholt haben und nicht nur gut ausgelastet zu sein scheinen, sondern für 2018 noch weitere Impulse erwarten.

Der Bundesverband Metall nimmt die Digitalisierung wichtig und stellt dort, wo es sinnvoll und effizient ist, auf digitale Dienstleistungen um. Er hat ein E-Learning-Angebot entwickelt, das den Lerngewohnheiten der Generation „Digital Native“ entgegenkommt. Die Lehrlinge können mit Hilfe dieser Programme überall lernen, selbst im Bus mit Hilfe des Handys. Es zeigt sich auch, dass die Visualisierungen, die E-Learning-Programme ermöglichen, gute Hilfestellungen sind, um Inhalte plastisch zu vermitteln und das Lernen einfach zu machen.

Lebensmittelhandwerk
„Der Titel der heutigen Veranstaltung lautet: 'Lebensmittel des Handwerks: Allseits geschätzt, aber auch politisch gewollt?'. Wir wollen damit auf den großen Unterschied hinweisen, der zwischen den gefühligen Sonntagsreden und glühenden Bekenntnissen unserer Politiker und deren politischen Alltagshandlungen besteht“, sagte Herbert Dohrmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Lebensmittelhandwerk.

Noch konreter wurde Michael Wippler. Die Entscheidung der Politik sei es, den Mittelstand systematisch zu zerstören, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. Die Handwerksbetriebe seien bereits über der Belastungsgrenze angekommen, so Wippler. „Entweder Sie kümmern sich um Ihren handwerklichen Betrieb oder Sie halten die Gesetze ein – beides zusammen geht nicht", verwies der Bäckerchef auf zahlreiche bürokratische Hürden, zum Beispiel Dokumentationspflichten.

Dohrmann machte auf die  Belastung der Lebensmittelhandwerke durch die EEG-Umlage aufmerksam. Seit 2012 sei diese um fast 90 Prozent gestiegen und damit maßgeblich für die vergleichsweise sehr hohen Strompreise in Deutschland verantwortlich. Befreite Unternehmen stünden oftmals in direkter Konkurrenz zum Lebensmittelhandwerk. „Nicht zuletzt auf Grund der Befreiung von der EEG-Umlage können diese industriellen Hersteller beispielsweise ihre Tiefkühlprodukte auch auf dem deutschen Markt günstiger anbieten. Die Kunden dieser Hersteller profitieren ebenfalls hiervon und können die Produkte ihrerseits zu einem günstigeren Preis abgeben, als dies ohne die Befreiung möglich wäre. Betriebe des Lebensmittelhandwerks dagegen müssen die EEG-Umlage vollständig zahlen und die teilweise Befreiung der erwähnten Industrieunternehmen auch noch mitfinanzieren. Verraten Sie mir, wie man diese Praxis bezeichnen soll, wenn nicht als un-fair“, so der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft.

Maßschneider
12.130 klassische, inhabergeführte Betriebe im Maßschneider-Handwerk waren 2017 in der Handwerksrolle eingetragen, „aber nicht zwangsläufig Mitglied in unserem Bundesverband“, sagte die Bundesvorsitzende der Maßschneider, Inge Szoltysik-Sparrer. 2016 waren es 11.953 Betriebe. Rückläufig sind die Ausbildungszahlen. Waren es noch 854 Azubis im Jahr 2014, die eine Lehre zum Maßschneider absolvierten, nahmen 2016 nur noch 713 Lehrlinge Maß. Auch die Zahl der Ausbildungsbetriebe sank von 435 (2014) auf 366 im Jahr 2016. Ein Großteil der Auszubildenden – 79 Prozent – haben einen Realschulabschluss oder das (Fach-)Abitur. Die Meisterprüfung bestanden im Jahr 2016 128 Frauen und Männer.Erstmalig präsentierte der Bundesverband eine eigene Modekollektion unter dem Motto „Zeitlose Elegance – zeitgemäß präsentiert – von Coco bis Karl“. Die Kollektion war bei einer Modenschau auf der IHM zu sehen und geht demnächst auf Tournee.