Aus unserem Kammerbezirk konnten sich gleich vier junge Handwerker über Siege auf Bundesebene freuen. (von links nach rechts) Jana Böck, Sebastian Quast, Lukas Fackeldey und Yannik Wilde.
Aus unserem Kammerbezirk konnten sich gleich vier junge Handwerker über Siege auf Bundesebene freuen. (von links nach rechts) Jana Böck, Sebastian Quast, Lukas Fackeldey und Yannik Wilde.

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News 13.01.2021

Vier Handwerker aus dem Kammerbezirk bei Europas größtem Berufswettbewerb. Fragen zu Handwerk und Zukunft.

Berlin/Kammerbezirk Aachen. Die Schlussfeier des Leistungswettbewerbs des Deutschen Handwerks fand im Dezember 2020 wie berichtet nur in kleinem Rahmen statt. Die aktuellen Entwicklungen und Bestimmungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ließen eine Feier auf großer Bühne und mit vielen Zuschauern nicht zu. Aber dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) war es wichtig, die Siegerinnen und Sieger des 69. Leistungswettbewerbs des Deutschen Handwerks zu ehren, und zwar in Form eines Livestreams, einer virtuellen Schlussfeier. Am 5. Dezember wurde online gefeiert.

Aus dem Bezirk der Handwerkskammer Aachen konnten vier junge Handwerker glänzen und sich über Siege auf Bundesebene freuen. Der Simmerather Parkettleger Yannik Wilde hat den Wettbewerb „Die gute Form“ gewonnen. Dieser Wettbewerb findet parallel zum Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks statt und ist auf bestimmte Berufe beschränkt. Hier geht es hauptsächlich um die ästhetische Qualität und die schöpferische Fantasie, die hinter den zu bewertenden Prüfungsstücken steht. Bei der guten Form konnte noch einer absahnen, und zwar der Glaser Lukas Fackeldey aus Düren (Fachrichtung Verglasung und Glasbau). Er ist zweiter Preisträger geworden. Darüber hinaus hat er beim Leistungswettbewerb den zweiten Platz abgeräumt. Zweitbeste Handwerkerin Deutschlands ist auch die Aachener Glasapparatebauerin Jana Böck geworden. Behälter- und Apparatebauer Sebastian Quast aus Niederzier hat ebenfalls den zweiten Bundessieg eingeheimst.

Wir wollten von den vier talentierten Handwerkern unter anderem wissen, wie sich der Leistungswettbewerb im „Corona-Jahr“ gestaltet hat und welche beruflichen Pläne sie für die Zukunft haben. Unsere Fragen im Überblick:

1. Wie alt sind Sie?
2. Wie sind Sie an Ihren Beruf gekommen?
3. Gibt es in Ihrer Familie weitere, die ein Handwerk ausüben?
4. Was bedeutet Handwerk für Sie? Oder anders gefragt: Was finden Sie an Ihrem Beruf toll?
5. Wie hat sich der Leistungswettbewerb PLW im Corona-Jahr 2020 gestaltet?
6. Wie geht es künftig beruflich für sie weiter, haben Sie Pläne?

Glasapparatebauerin Jana Böck, Aachen (Ausbildungsbetrieb Aachener Quarzglas-Technologie Heinrich, Aachen)

1. 21 Jahre.
2. Durch meine vorherige Ausbildung als Glas- und Porzellanmalerin, wo ich auch Glasperlenschmuck an der Flamme hergestellt habe, und so die Liebe zur heißen Glasbearbeitung entdeckt habe. Da ich in diesem Bereich weiterarbeiten wollte, stieß ich bei meiner Internetrecherche auf diesen außergewöhnlichen Beruf.
3. Ja, mein Zwillingsbruder hat Bäcker gelernt.
4. Dass ich mit Händen arbeite, immer wieder neue Herausforderungen meistern muss, am Ende des Tages komplexe Apparaturen in den Händen halten kann und immer wieder anderen Leuten zeige, was man mit einem vermeintlich so zerbrechlichen Rohstoff alles anstellen kann.
5. Die ersten Schritte bis zum Kammersieg liefen nur über die Prüfungsnoten. Für die Landes- bzw. Bundesebene musste man Fotos, technische Zeichnungen und eine Beschreibung zur Darstellung und Funktionalität des Gesellenstücks per Email einreichen.
6. Momentan arbeite ich in meinem Lehrbetrieb zur Festigung meiner Kenntnisse weiter und werde mich nach einer gewissen Zeit wieder in Richtung meiner Heimat, Bayern, orientieren.

Behälter- und Apparatebauer Sebastian Quast, Niederzier (Ausbildungsbetrieb Apparatebau Peter Vossen, Düren)

1. Ich bin 20 Jahre alt.
2. Ich bin durch meine Familie auf diesen Beruf gekommen. Mein Opa Engelbert Quast war lange im Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) für die Fachgruppe Kupferschmiede als Landes- und Bundesfachgruppenleiter tätig. Außerdem hat er mit seinem Bruder Martin Quast 1958 die Firma Gebr. Quast GmbH & Co. KG gegründet. Der Beruf liegt seit fünf Generationen in der Familie.
3. Meine Tante hat mit ihrem Mann 2011 die Firma Breuer-Quast GmbH & Co. KG gegründet, wo ich auch damals meine Ausbildung begonnen habe. Dort arbeitet mein Cousin, der kurze Zeit vor der Gründung seine Meisterprüfung als Behälter- und Apparatebauer abgeschlossen hat.
4. Handwerk bedeutet mir sehr viel, da mir von klein auf viele handwerkliche Tätigkeiten beigebracht wurden. Toll an meinem Beruf finde ich die abwechslungsreichen Aufgaben und dass man jeden Tag etwas Neues lernt.
5. Die Aktivitäten des Leistungswettbewerbs sind in diesem Jahr sehr knapp ausgefallen. Vielleicht könnten diese im Jahrgang, der nicht Corona beeinflusst ist, nachgeholt werden.
6. Ich möchte mich in meinem Beruf weiterbilden und qualifizieren, um später auch Führungsaufgaben bewältigen zu können. Daher strebe ich die Qualifikation Meister mit dem integrierten Schweißfachmann an.

Glaser, Fachrichtung Verglasung und Glasbau, Lukas Fackeldey, Düren (Ausbildungsbetrieb Thermopor Glas, Merzenich)

1. 24 Jahre.
2. Durch Zufall! Meine Schwester ist in einer Zeitarbeitsfirma tätig und hat mich an meinen späteren Ausbildungsbetrieb Thermopor Glas vermittelt. Dort war ich im Versand tätig und habe viel mit Glas gearbeitet. Dort habe ich auch meinen künftigen Meister Achim Thomas kennengelernt und viel über den Werkstoff Glas gelernt. So bin ich dann auch in der Kreativabteilung der Firma gelandet. Zuvor hätte ich mir nie zu träumen gewagt Glaser zu werden. Ich habe mein Fachabi in Gesundheit und Soziales gemacht und wollte ursprünglich in dem Bereich arbeiten.
3. Mein Vater ist Metallbaumeister und mein Urgroßvater war Bauherr.
4. Das ständige Herantasten an neue Herausforderungen reizt mich ebenso wie der künstlerische Aspekt. Außerdem ist Glas ein super hygienischer Werkstoff, der in Zukunft vermehrt Anwendung finden wird.
5. Das lief hauptsächlich über Prüfungsnoten. Ich war ganz überrascht über die Post mit der Sieger-Benachrichtigung. Und ich konnte mit meinem Gesellenstück, ein hinterleuchtetes Kunstobjekt, glänzen.
6. Ich kann mir viel vorstellen, der Meistertitel käme infrage, reizvoll hört sich auch der Titel Meisterdesigner an, den ich an der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg erreichen kann.

Parkettleger Yannik Wilde, Simmerath (Ausbildungsbetrieb Bodenbeläge Breuer, Simmerath)

1. 23 Jahre.
2. Bei Bodenbeläge Breuer handelt es sich um einen Familienbetrieb, der von meinem Opa gegründet wurde und nun von meiner Tante und Onkel geführt werden. Dadurch war ich als Jugendlicher schon dort arbeiten neben der Schule. Ich habe schnell gemerkt, dass mir das Handwerk viel Spaß macht.
3. Da es ein Familienbetrieb ist, ist bzw. war ein Großteil meiner Familie dort tätig (z.B. mein Vater und mein Bruder).
4. Der Beruf ist sehr abwechslungsreich, man lernt immer neue Dinge dazu und lernt viele verschiedene Menschen kennen. Man hat so gut wie nach jedem Arbeitstag ein Erfolgserlebnis, weil man etwas erneuert bzw. neu gestaltet hat.
5. Der Leistungswettbewerb ging in Neustadt an der Aisch unter Corona-Schutzmaßnahmen vonstatten. Insgesamt haben acht Parkettleger aus verschiedenen Bundesländern an dem Wettbewerb teilgenommen. Die Prüfung bestand aus zwei praktischen Arbeitsaufgaben, die in einer bestimmten Zeit erledigt werden mussten.
6. Nachdem ich noch ein bisschen Berufserfahrung gesammelt habe, würde ich gerne den Parkettlegermeister machen und dann mal schauen, was die Zukunft bringt.

Für zehn Siegerinnen und Sieger war die Schlussfeier in Berlin real, sie durften stellvertretend für alle Jungprofis zur Bundeshauptstadt. Yannik Wilde gehörte dazu. „Ich war froh, dass die Feier trotz allem im kleinen Rahmen stattfinden konnte und ich ein Teil von diesem Event sein durfte. Dies hat mich sehr geehrt“, so der 23-Jährige.

Virtuelle Schlussfeier im Internet bei YouTube.

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Gabriele Meißner
+49 241 471-161
gabriele.meissner@hwk-aachen.de

Infos zu weiteren Wettbewerben für Azubis findest du hier.